Southern Australia: Adelaide – Hahndorf – Kingston S.E. – Robe
(Kurze Ergänzung zu Beginn, damit mich Carola wieder mag: Natürlich gibt es auch nette Backpacker. Das sind meistens die, die ab und zu Englisch sprechen und sich manchmal die Füße waschen. Und sie sind immer willkommene Gesprächspartner in einer „Isch habe Rücken“ Therapiegruppe.)
Die Australier arbeiten gerne mit Superlativen. Alles ist entweder am größten, am besten, breitesten, am ältesten etc. Diese leicht größenwahnsinnige deskriptive Ader erreicht ihren Zenit üblicherweise mit Zusätzen der Kategorie „Australia-wide“, „world-wide“, „in the Southern hemisphere“. Diesem Beispiel folgend war der Flug nach Adelaide der schlimmste, den ich je bei Jet-Star erlebt habe. Kunststück, es war auch der einzige. Nachdem wir 6 Spezialisten, die sich Reisegruppe schimpfen, am Anfang noch unser einziges Gruppenmitglied mit Flugangst mit Diskussionen der Sorte „Flugzeuge können gar nicht auf dem Wasser landen“ begeistert haben, waren am Schluss wir es, die fünf Minuten nach dem Start ihr Testament auf einer Kotztüte machen wollten. Kleine Sünden bestraft der Liebe Gott eben sofort.
War haben den Parabelflug nach Adelaide wider alle Erwartungen dann doch überlebt und waren vor Ort vor allem davon fasziniert, dass es in Australien halbstündige Zeitverschiebungen gibt. Adelaide als solches ist eine Stadt, die für orientierungslose Backpacker geschaffen wurde. Sie ist schachbrettförmig angelegt, seitlich begrenzt durch die Northern, Southern, Eastern und Western Terrace. Wenn man sich verläuft, läuft man einfach so lange weiter bis man auf einer der Straßen ankommt und versucht es noch mal. Der Versuch, dort nach 6 Uhr abends einen offenen Supermarkt was zu finden, kommt dem Erlebnis nahe, auf einer ostfriesischen Insel mittags etwas einkaufen zu wollen. Man wird sein Geld einfach nicht los. Wir haben dafür dann einen großartigen Pancake-Laden gefunden gegen den ein dubioser Nachtclub auf der Reeperbahn zwar aussieht wie das Holiday Inn, der aber wirklich gutes Essen serviert. Ansonsten hat Adelaide einen botanischen Garten und ein paar nette alte Pubs, die sonntags aber leider schon um Mitternacht schließen. Danach hat die Stadt leider zu. Offen blieb da am Ende nur die Frage, warum eigentlich jede Uni in Australien hübscher ist als unsere.


Nicht, dass ihr denkt, es sei keine Weihnachtsstimmung aufgekommen!
Für uns ging es nach zwei Tagen weiter Richtung Süden, natürlich wie üblich im Hyundai Getz. Hahndorf einen kurzen Besuch abgestattet, da es doch die älteste (was auch sonst) deutsche Siedlung Australiens ist. Wer es geschafft hat, Hahndorf zu finden, der beginnt zu ahnen, warum die Deutschen mit ihren Kolonien nie so richtig Glück hatten. Zielsicher haben sich unsere Ahnen gleich den trockensten (was sonst) Bundesstatt Australiens ausgesucht. Fairerweise muss man sagen, dass jeder Bundesstaat behauptet, der trockenste zu sein.


Fährt man weiter Richtung Meer und Süden, findet man sich irgendwann mutterseelenallein auf einsamen Landstraßen wieder, gesäumt von Feldern und Salzseen. Irgendwann kommt man in die Metropole Kingston South East, wo eine der monumentalsten Figuren der australischen Geschichte beheimatet ist: Larry, the Giant Lobster. Wer glaubt, das ist eine Metapher, dem sei gesagt, dass Australier keine Metaphern benutzen. Larry ist ein Riesenhummer, den man hier aus dem Meer gezogen hat. Um diesem Ereignis gebührend Tribut zu zollen, hat man Larry eine 5 Meter hohe Statue errichtet. Unter dem Rasenstück drum herum sind wahrscheinlich die europäischen Touristen begraben, die sich im Angesicht dieses Schreins tot gelacht haben.

Unser erster Overnight-Stop nach 6 Stunden on the road war die Jugendherberge in Robe, die sich als eine echte Offenbarung herausgestellt hat. Eine kleine Randnotiz zu australischen Jugendherbergen: Die meisten sind in Ordnung. Es kann einem passieren, dass man nachts um drei aufwacht und glaubt, man habe endlich einen Ort in der Zivilisation gefunden, wo es die Pocken immer noch gibt. Wenn man dann gerade die Nummern von CNN und der Seuchenkontrollbehörde gewählt hat, stellt man etwas enttäuscht fest, dass die juckenden roten Beulen kaum sensationelle, dafür umso nervtötendere Bettwanzenbisse sind. Passiert, ist aber eher die Ausnahme von der Regel. Die meisten Hostels bieten für ihre umgerechnet 12 bis 15 Euro pro Nacht guten Service. Die YHA in Robe nicht. In Robe verschlägt es dem geschundenen, genervten und verarmten studentischen Touristen die Sprache. Die Jugendherberge Lakeside Manor ist ein altes englisches Herrenhaus aus Sandstein mit großen hellen Fluren, riesigen Zimmern mit Erkerfenstern, einer Küche mit Kachelofen und einem Rosengarten. Komplett mit einer alten Bibliothek und einem Hausgeist, der dafür sorgt, dass Türen in unregelmäßig Abständen auf und zu gehen ist das Hostel ein Spielwiese für Hobbyfotographen und Studenten mit zuviel Zeit. Die Jugendherberge ist so gut, dass die von Mundpropaganda lebt. Sie taucht in keinem Reiseführer auf, weil jeder, der einmal dort war, den Ort am liebsten für sich behalten würde. Bei meinem begrenzten Publikum kann ich mir den Tipp gerade noch erlauben. Macht es bitte wie die Pinguine in Madagaskar: Ihr habt nicht das geringste gesehen.



Dezember 24, 2008 um 9:28 nachmittags
Ach – herrlich!!! Wieder mal etwas zum Lesen und Grinsen. – Tja, ich erinnere ich noch ganz gut an die Fahrt von Adelaide nach Hahndorf, wo meine Cousine mit Familie lebt. Es ging über die Berge und ehrlich gesagt, wäre ich da viel lieber geflogen!!!! Aber ich habs ja überlebt
Ja, Adelaide ist eher puritanisch angehaucht, aber extrem liebenswürdig und verlaufen kann sich dort echt nicht.
*grins* Larry der Riesenhummer, an den erinnere ich mich noch zu gut. Kitsch à la Kitch-can sozusagen. Aber so sind halt die Aussies!!!
Danke für die tollen Berichte und Fotos. Hab ich echt vermisst, die letzten Wochen, aber man könnte lesen und sehen, Du hattest jede Menge Spaß!!!
Schöne Weihnachten!!!!
Dezember 28, 2008 um 6:19 nachmittags
Ach ja, “Larry, der Riesenhummer” Erinnere mich gedacht zu haben, ich wäre im Amiland
Adelaide ist wunderschön und zugegebenermaßen etwas “puritanisch”, aber das kein Laden abends offen war, ist mir neu!!!!
Ach, entschuldige, ich sollte ja das gar nicht “gewusst” haben lol.
Tja, Jugendherbergen – wo steht denn geschrieben, dass Reisen Spaß machen muss?? *grins* Aber die Jugendherberge in Robe scheint ja wirklich zu gut um einfach “wahr” zu sein
Na, weiterhin viel Spaß mit Bettwanzen, Riesenhummern und ähnlichem Getier.